Foto: Christoph Geiger

Bauwerk: Büro und Archiv der Diakonie

Architekt: unbekannt

Standort: Stafflenbergstraße 76-78 / 70184 Stuttgart

Baujahr: 1976

Status: abrissgefährdet

 

VerfasserIn: Christoph Geiger

Quelle(n): Stuttgarter Zeitung, 2012

 

 

Das Gebäude in der Stafflenbergstraße 76 bis 78 ist aus mehreren Gründen ein spezielles Gebäude. Es ist kein herausragend qualitätvoller Bau, aber ein Beispiel für die Zeit aus der es stammt, sowohl in seiner Gestalt, als auch der Umgang mit dem Gebäude, seit es nicht mehr für seine geplante Nutzung gebraucht wurde. Hier lässt sich wie oft erahnen, welche ungenutzten Potentiale darin vorhanden wären und wie häufig trotzdem dem enormen Mangel an Wohnraum in den Innenstädten jahrelanger Leerstand in Kauf genommen wird.

 

Das Gebäude befindet sich an einem Westhang am Stuttgarter Talkessel im Stadtteil Gänsheide und liegt damit äußerst zentral. Dennoch steht es seit November 2016 vollständig leer. Der ursprüngliche Bauherr und langjährige Nutzer, die Diakonie, zog im Jahr 2012 aus und nach einer dreijährigen Zwischennutzung für Büros des Staatsministeriums während der Sanierung der Villa Reitzenstein wurde das Gebäude an einen Investor veräußert und ein Wettbewerb für Wohngebäude ausgelobt, in dem der Abriss bereits vorausgesetzt war.

 

Ursprünglich in den Siebziger Jahren als Bürogebäude und Archiv für die Diakonie geplant, sitzt das terrassierte Gebäude halb in den steilen Hang eingegraben. Daraus entwickelt es eine Landschaft aus horizontalen Bändern, die durch verschieden Versprünge immer wieder unterschiedliche Terassensituationen ergeben. In dieser landschaftsartigen Großform entwickelt das Gebäude seine Stärken. Andererseits gibt es immer wieder Punkte, an denen es im Vergleich zu anderen brutalistischen Bauten hohe Qualitäten missen lässt. Es ist gekennzeichnet durch eine äußerst ökonomischen und rationalen Planungsansatz und einen starken Einsatz von Elementbauweise. Ein quadratisches Raster ist für das gesamte Gebäude angesetzt, an welchem sich das Ortbetontragwerk ebenso ausrichtet, wie die Fassadenelemente.