Bauwerk: Heilig Geist Kirche
Architekt: Reiner L. Neusch
Standort: Boslerstraße 1, 70188 Stuttgart-Ost
Baujahr: 1974-1975
Status: Gesichert und teilweise saniert

 

VerfasserIn: Isabella Silva Altemani und Marilen Lou Gaiser / RLSS
Quelle(n): Broschüre des Gemeindezentrums Heilig Geist

 

 

Die katholische Heilig-Geist-Kirche wurde 1975 nach Plänen des Architekten Reiner Neusch fertiggestellt. Umgeben von Wohnbebauung, unweit des Gaswerks gelegen, fungiert das Bauwerk auch als Gemeindezentrum für die Stadtbezirke Gaisburg und Ostheim. Die Betonfassade ist heute teilweise von Pflanzen bedeckt und der Inhalt des Bauwerks wird durch ein Kreuz auf der Fassade nach außen kommuniziert. Trotz der Außengestaltung in Sichtbeton und des monolithischen Erschei-nungsbildes des Bauwerks, fügt sich der Baukörper in seiner Kompaktheit (besonders in Anbetracht des großen Raumprogramms) gut in die Umgebung ein. Kirche und Gemeindezentrum bilden ein Bauvolumen über fünf Geschosse. Bei der Planung wurde Wert auf zwei Themenfelder gelegt: „Liturgie, im weitesten Sinne des Wortes und Diakonie, im Sinne von Begegnung und Füreinander-Dasein.’’ Dabei wurde beachtet, dass „die beiden Brennpunkte nicht als voneinander getrennte Größen auftraten“, sondern als räumliche Einheit: Im Untergeschoss befinden sich Räume für die Diakonie und erweiterte Öffentlichkeit: Altenclub, Jugendräume, Bibliothek, Küche und eine Kegelbahn. Das Erdgeschoss ist für die Räume der Liturgie gedacht und beherbergt den Kirchenraum, der sich dank flexibler Trennwände mehrfach vergrößern lässt. Die Obergeschosse bestehen aus Wohneinheiten mit Dachterrassen.

Die Kirche ist insbesondere in ihrer äußeren Erscheinung ein bei-spielhafter Vertreter des Brutalismus im Großraum Stuttgart. Der Erhaltungszustand ist relativ gut, das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz. Die Öffnung der Gemeinde hin zur Nachbarschaft ist aufgrund der räumlichen Geschlossenheit derzeit eingeschränkt und die Auslastung der Räume eher gering. Im Rahmen von Sharing Brutalism wird angenommen, dass durch eine geänderte Zugänglichkeit und Öffnung in der Vertikalen (z.B. zwischen EG und UG1) die Idee des Gemeindezentrums als Treffpunkt gestärkt werden könnte. Eine flexiblere Raumnutzung – im Gegensatz zu den festgeschriebenen Räumen und Nutzungen aus der ursprünglichen Planung – könnte die Auslastung verbessern und das Potential geteilter und mehrfachgenutzter Flächen im Sinne des Space Sharing stärken.

 

Modell M 1:50, zerlegbar

Ansicht Westfassade

Ansicht Nordfassade

Fassadendetail

Bronzerelief

Kirchenraum