Innere Erschließung
Bild: Leonard Herrmann

Bauwerk: Hörsaalgebäude der Verwaltungshochschule

Architekt: Rolf Gutbier

Standort: Jägerstraße 58, 70174 Stuttgart-Mitte

Baujahr: 1971

Status: Gefährdet

Abbildung: Außenanlagen und Hangansicht, Leo Hermann (2018)

 

Das Hörsaalgebäude der Verwaltungshochschule Baden-Württemberg gehört zu den letzten realisierten Projekten Rolf Gutbiers und wurde 1971 fertiggestellt. Heute dient es der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) als Hochschulstandort in Stuttgart-Mitte.

 

Zusammen mit dem Verwaltungsbau in der Jägerstraße 56 (ebenfalls Gutbier) als seitlich vorgelagertem Komplex, bildet das Hörsaalgebäude den nördlichen Platzabschluss zum Hang hin. Der in Terrassen gegliederte Vorplatz, setzt sich in der Architektur und Formensprache des Hörsaalgebäudes fort. Der Topografie folgend, entwickelt sich das Bauwerk als Terrassenlandschaft den Südhang hinauf. Dabei betont Gutbier durch Brüstungen und Fensterbänder stark die Horizontale und verschiebt die einzelnen Etagen geschossweise, leicht diagonal nach hinten fluchtend. Im Außenraum können über eine externe Erschließung alle sechs Stockwerke und die jeweils dazugehörigen Dachterrassen mit großen Pflanzbeeten auf allen Geschossen erschlossen werden. Zudem ist dieser Erschließungsweg tagsüber eine öffentliche Fußwegeverbindung zwischen Innenstadt und Killesberg.

 

Auch das Innere des Gebäudes wird von der Erschließung dominiert. Als zusammenhängender, offener und kommunikativer Treppenraum, folgt diese über zahlreiche Halbgeschosse und Zwischenpodeste dem Verlauf des Hangs. Das Atrium mit breiter Treppe dient als zentraler Verteiler. Zudem wurden eigens großformatige Kunstobjekte als farbige Wandreliefs entworfen und integriert. Im Gebäudeschnitt zeigen sich die Seminarräume als Brückenkonstruktion über dem zentralen Verkehrsraum, die über Stege und Rippendecken ans Atrium angebunden sind. Hauptnutzflächen und Erschließungsflächen halten sich mit jeweils ca. 2000 m² die Waage. Die geringe Flächeneffizienz wird durch die räumliche Qualität, Atmosphäre und Großzügigkeit wettgemacht. Handwerkliche Präzision des innen wie außen schalungsrauen Sichtbetons als primäre Bausubstanz aber auch Beton- und Naturstein als Bodenbelag, sowie Stahl (-Brüstungen) und Glas (-Fassaden) bestimmen den Materialmix.

 

Das Hörsaalgebäude ist in einem guten Erhaltungszustand aber nicht denkmalgeschützt. Mit dem Wegzug der DHBW 2020 steht es vor einer ungewissen Zukunft. Im Kontext von ‚Sharing Brutalism‘ wurden verschiedene, vielversprechende Szenarien einer Weiternutzung und Nutzungsintensivierung im Sinne des Space Sharing untersucht.

 

 

Grundriss EG